Vor Eingriffen
Gerinnungshemmung vor Eingriffen
Zunächst ist die Frage zu klären, wie hoch der anzustrebende INR-Wert sein darf, damit der Eingriff mit einem möglichst geringen Risiko durchgeführt werden kann. Wenn dieser Wert deutlich unterhalb des therapeutischen Zielbereichs des individuellen Patienten liegt, muss Heparin gegeben werden, um Thrombosen und Embolien vorzubeugen.
Zahnärztliche Eingriffe
Das Absetzen von Marcumar bei zahnärztlichen Eingriffen ist mit einem deutlich erhöhtem Risiko für die Bildung von Gerinnseln verbunden, die sogar zu Todesfällen geführt haben. Das Risiko, dass es unter Fortführung des Marcumar zu Blutungen kommt, ist deutlich geringer. Darüber hinaus kommt es vorwiegend dann zu Blutungen, wenn der Eingriff bei einem zu hohen INR-Wert durchgeführt wird, meist bei einem INR-Wert über 4.0. In der Regel können die Blutungen auch gut beherrscht werden, wohingegen die Folgen einer Embolie, wenn sie z.B. ins Gehirn geht, wesentlich schwerwiegender sind.
Chirurgische Eingriffe
Kleinere chirurgische Eingriffe können nach zwei- bis dreitägigem Absetzen von Marcumar durchgeführt werden, sobald der INR-Wert unter 2.0 liegt. Am Abend des Operationstages oder am Tag danach kann die Marcumar-Therapie wieder begonnen werden. Ist dies aus chirurgischen Sicht nicht möglich, sollte zwischenzeitlich Heparin gegeben werden, bis der INR-Wert im therapeutischen Bereich liegt.
Größere chirurgische Eingriffe
Wenn es bei ausgedehnten chirurgischen Eingriffen notwendig ist, die Intensität der Gerinnungshemmung auf INR-Werte unter 1.5 zu senken, sollte Marcumar für mehrere Tage vor der Operation, durchschnittlich eine Woche vorher abgesetzt werden.
Diese Zeit muss bei allen Patienten mit mechanischen Herzklappen mit Heparin überbrückt werden - immer dann, wenn bei Patienten mit künstlichen Mitralklappen die INR unter 2.5 sinkt und bei Patienten mit Aortenklappenersatz unter 2.0.
Dann sollte diesen Patienten unfraktioniertes Heparin in die Vene gegeben werden - mit dem Ziel, die Gerinnungszeit zu verlängern. Diese wird mit der sogenannten Thromboplastinzeit (aPTT) gemessen, die bis auf das Zweifache des Kontrollwertes verlängert sein sollte. Die Heparisierung sollte bis zu sechs bis zwölf Stunden vor einer Operation fortgeführt werden. Für Patienten mit Vorhofflimmern etc. genügen niedermolekulare Heparine, die in die Bauchhaut gespritzt werden, wenn der INR-Wert unter 2.0 sinkt. Sechs bis zwölf Stunden nach Beendigung der Operation sollte die Heparin-Therapie wieder aufgenommen werden. Sobald es vom chirurgischen Standpunkt aus vertretbar ist, sollten die Patienten beginnen, wieder Marcumar zu nehmen. Sie wollen mehr erfahren? - fordern Sie sich die unten genannte Broschüre an!!
© Broschüre "Gerinnungshemmung" anzufordern über Deutsche Herzstiftung